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Souverän wirken in Videokonferenzen

  • 3. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Stellen Sie sich vor, jemand kommt fünf Minuten zu spät in ein persönliches Meeting. Setzt sich hin, ohne ein Wort. Schaut dabei auf sein Handy. Spricht mitten in einen Satz der anderen hinein und trinkt noch schnell einen beherzten Schluck aus einem Thermobecher mit Strohhalm. Unvorstellbar? In Videokonferenzen passiert genau das – täglich. Und viele merken es nicht einmal. Videokonferenzen sind längst keine Notlösung mehr, sondern Alltag. Genau dort zeigt sich, wer wirklich präsent ist – und wer einfach nur „teilnimmt“. 


Pünktlichkeit: Der erste Eindruck beginnt vor dem ersten Wort

Pünktlichkeit ist kein nebensächliches Detail. Wer er zu spät kommt, der sendet ein klares Signal: Das hier hat für mich keine Priorität oder etwas anderes war eben noch wichtiger. Und dieses Signal hängt im Raum, lange nachdem man sich eingewählt hat.


Wer ein bis zwei Minuten früher im Call ist, zeigt genau das Gegenteil. Man ist da, man ist bereit, man nimmt das Gespräch ernst. 


Die kurze Wartezeit vor Beginn ist außerdem eine Chance: für einen kurzen persönlichen Austausch, für einen guten ersten Eindruck, für den Einstieg, der im eigentlichen Meeting fehlt. Und ich für den Smalltalk, der die Beziehungsebene stärkt.


Wer pünktlich ist, wird Hierarchien gerecht: Genau wie bei Zusammentreffen vor Ort sollte man seine Chefs niemals warten lassen.


Die Vorstellung: Kein Nebensatz, kein "Ich bin da"

Die Vorstellung ist oft der erste echte Moment – und er wird erstaunlich häufig verschenkt. „Ja, ich bin auch da“ ist keine Vorstellung. Es ist ein Flüstern in den Raum, das nicht in den Köpfen hängen bleibt.


Eine gute Vorstellung ist kurz, klar und einprägsam: Name, Rolle, ein Satz zur Einordnung oder am besten ein Claim zur Tätigkeit, der Interesse weckt und nicht 0815 ist. Wer das beherrscht, startet das Gespräch mit Präsenz – und bleibt im Kopf der anderen.


Wer hier unklar oder unspektakulär bleibt, wird im weiteren Verlauf selten präziser oder beeindruckender wahrgenommen. 


Mikrofon: Stille ist kein Versagen

Die Regel ist einfach: Stumm, solange man nicht spricht. Und doch wird sie in jedem zweiten Call gebrochen. Hintergrundgeräusche, tippende Tastaturen, Hunde, Kühlschränke, Straßenlärm. All das landet ungefiltert im Call – und machte die Konzentration schwer.


Was viele nicht wissen: Hintergrundgeräusche wirken nicht nur störend. Sie signalisieren Unfähigkeit oder gar Gleichgültigkeit. Das Mikrofon stumm zu schalten ist keine schwierige technische Maßnahme – man muss eben nur daran denken.


Wer bewusst mit dem Mikrofon umgeht – es aktiviert, wenn er spricht, und es danach sofort wieder stumm schaltet – wirkt rücksichtsvoller und professioneller.


Kamera: Sichtbarkeit ist eine Entscheidung

Die Kamera auszuschalten ist bequem. Man muss sich nicht sorgen, wie man wirkt. Man muss nicht aufrecht sitzen. Man kann nebenbei etwas anderes tun. Genau das ist das Problem.


Wenn die Hälfte der Teilnehmer unsichtbar ist, verändert sich die Dynamik des gesamten Gesprächs. Wer spricht, weiß nicht, ob er gehört wird – und ob das, was er sagt, ankommt.

Wer signalisieren möchte, dass er angemessen vorbereitet ist - optisch wie inhaltlich - der macht die Kamera an. Und wird mit Sichtbarkeit und Nachhaltigkeit belohnt.


Natürlich gibt es Ausnahmen: schlechte Verbindung, technische Probleme, ein Gespräch, das wirklich nur zum Zuhören gedacht ist. Aber das sollten eben Ausnahmen sein – keine Gewohnheit.


Kleidung: Wirkung ist eine Frage des Ortes

Man zieht sich nicht für die Kamera an. Man zieht sich für die Wirkung an. Das ist ein wichtiger Unterschied.


Wer von zu Hause aus arbeitet, ist trotzdem sichtbar. Und was sichtbar ist, wird bewertet – bewusst oder unbewusst. Ein ungepflegter Eindruck signalisiert, welche Wichtigkeit wir dem virtuellen Treffen beimessen. Das muss nicht stimmen. Aber es wirkt so.


Halb professionell gibt es nicht. Entweder man ist dabei – oder man ist es nicht. Die Kleidung ist ein sichtbares Signal dafür, für welche Variante man sich entschieden hat.


Blickkontakt: Schauen Sie in die Kamera, nicht auf den Bildschirm

Das ist einer der am häufigsten übersehenen Punkte – und er macht einen enormen Unterschied. Wer auf den Bildschirm schaut, sieht zwar sein Gegenüber. Aber für das Gegenüber sieht es aus, als würde man an ihm vorbeischauen. Als wäre man nicht wirklich da.


Wer in die Kamera schaut, wirkt präsent. Direkt. Aufmerksam. Das ist kein Trick – das ist die digitale Form von Augenkontakt. Und Augenkontakt schafft Vertrauen.


Es fühlt sich zunächst ungewohnt an, in eine kleine Kameralinse zu sprechen, statt auf das Gesicht des Gegenübers zu schauen. Aber es ist erlernbar. Und es lohnt sich – weil es im Gedächtnis bleibt.


Gesprächsdisziplin: Struktur entscheidet

Im persönlichen Gespräch läuft vieles intuitiv: Man sieht, ob jemand etwas sagen möchte. Man lässt ihn ausreden. Man wartet auf den richtigen Moment. Im digitalen Raum fehlen diese nonverbalen Signale – und damit bricht die Ordnung schnell zusammen.


Wer einfach losredet, unterbricht – auch wenn er das nicht will. Wer zu lange wartet, kommt nie dran. Was hilft: kurze Pausen nach dem eigenen Beitrag. Klare Signale, wenn man etwas sagen möchte. Und die Bereitschaft, andere wirklich ausreden zu lassen, bevor man antwortet.


Wer das beherrscht, fällt auf – angenehm. Nicht weil er laut ist. Sondern weil er den Raum hält, ohne ihn zu besetzen.


Was bleibt

Technik ist Standard. Auftreten nicht. Wer seine Wirkung in Videokonferenzen beherrscht, wirkt – nicht lauter, nicht dominanter, sondern klarer. Und Klarheit ist das, was Menschen in Erinnerung behalten.


Das Gute: All das ist erlernbar. Es braucht keine besondere Begabung, keine teure Ausrüstung, keine aufwendige Vorbereitung. Es braucht nur eine Entscheidung: Ich nehme meinen Auftritt im digitalen Raum genauso ernst wie den persönlichen.


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