Der große Weihnachtsknigge

Damit es rund um die Festtage keine bösen Überraschungen gibt, schenken wir Ihnen hier die wichtigsten Tipps für eine himmlische Bescherung

Alle Jahre wieder wird die Wohnung herausgeputzt, der Tannenbaum dekoriert, jedes einzelne Geschenk nett verpackt. Und wir? Wir schmücken uns mit bestem Benehmen. Trotzdem krachts bei vielen in der Weihnachtszeit. Das muss nicht sein: Wie man jetzt den richtigen Ton trifft, verrät Carolin Lüdemann, Mitglied des Deutschen Knigge-Rats.

Muss man immer die ganze Familie einladen - oder darf man auch mal allein feiern?
Wenn es Tradition ist, dass Heiligabend die Familie zu Besuch kommt, kann man nur schwer sagen, dass man dieses Jahr lieber im kleinen Kreis feiern will. Aber: "Wenn man den Wunsch diplomatisch verpackt und früh genug vorschlägt, sich stattdessen am 25. zum Mittagessen zu treffen, geht das", so Lüdemann.

Kann ich selbst eine Einladung ablehnen?
Mit der Schwiegermutter gibts Stress, die Tante nörgelt nur - mit manchen Verwandten versteht man sich einfach nicht. "Mit einer guten Begründung kann man absagen, etwa wenn man selber Gäste hat oder bereits eingeladen ist. Wenn man allerdings noch frei ist für den Abend, kann man nicht ablehnen."

Darf man auch noch ganz spontan einladen?
Manche fragen erst ein paar Tage vor dem Fest, ob die Familie oder Freunde kommen möchten. "Spontaneität ist kein Problem, wenn man ein gutes Verhältnis zueinander hat. Man muss nur damit rechnen, dass die meisten schon andere Pläne haben."

Darf man Geschenke, die nicht gefallen, zurückgeben?
Ein Buch, das man schon hat, oder Schmuck, den man nie tragen würde - was tun damit? "Wer etwas doppelt hat, kann das auf jeden Fall sagen. Ansonsten muss jeder für sich entscheiden: Hat der andere es gut gemeint, sich Gedanken gemacht? Kränke ich ihn, wenn ich die Wahrheit sage? Bin ich bereit, den Schmuck gelegentlich zu tragen? Am besten ist es, als Schenker eine ehrliche Meinung einzufordern, das macht es für beide Seiten leichter." Einfach Weiterverschenken ist übrigens absolut tabu!

Was tun, wenn man ein Geschenk bekommt, aber für den anderen nichts hat?
Der Klassiker: Man hat verabredet, sich dieses Jahr nichts zu schenken - und dann kommt der Partner doch mit einem Präsent um die Ecke. "Wenn noch genug Zeit ist, sollte man sich revanchieren. Ist es jedoch schon kurz vor Weihnachten, keinesfalls auf Krampf ein Gegengeschenk suchen, sondern ehrlich sagen, dass man sich freut, aber nicht damit gerechnet hat und sich demnächst revanchiert - etwa mit einer Einladung zum Essen."

Darf man Geld verschenken?
Ein Umschlag mit Scheinen wirkt auf einige ideenlos. "Trotzdem ist es in Ordnung, Geld zu verschenken, z. B. wenn ein Neffe auf den Führerschein spart. Auch sonst können Ältere den Jüngeren Geldgeschenke machen. Nur unter gleichaltrigen Erwachsenen ist es nicht üblich."

Soll man dem Postboten etwas geben?
Früher war es üblich, für den Briefträger, Hausmeister und Müllmann eine kleine Gabe bereitzuhalten. "Das ist aus der Mode gekommen, dabei freuen die sich sehr. Wenn man übers Jahr einen netten Kontakt pflegt, sollte man daher ruhig eine Kleinigkeit schenken."

Muss man jede Weihnachtskarte beantworten?
Eine Karte im Briefkasten ist immer eine Freude - selbst schreiben immer Arbeit. Dabei gilt wie bei Geschenken: "Kommt die Karte Heiligabend an, bleibt nur noch der Dankesanruf. Ist aber noch ausreichend Zeit, sollte man zurückschreiben. Damit der Empfänger die Möglichkeit hat, sollte geschäftliche Weihnachtspost bis Mitte Dezember angekommen sein."

Wie gehe ich mit Sammel-E-Mails von Freunden um?
Laut Knigge-Regeln schickt es sich nicht, unpersönliche Mails zu den Feiertagen zu verschicken. Wenn es doch jemand macht, muss man individuell entscheiden: "Wenn man sich sowieso melden wollte, kann man die E-Mail zum Anlass nehmen. Wenn nicht, lässt man es."

Soll man erlauben, dass Jugendliche nach der Bescherung auf eine Party gehen?
Kindern steht der Sinn nicht immer nach Besinnlichkeit, sie feiern gern auch lauter und mit Freunden. "Dabei ist es angebracht, sich nach dem Gastgeber zu richten: Möchte er, dass der Abend gemeinsam beendet wird, sollte man bleiben. Auf jeden Fall rechtzeitig fragen und nicht einfach nach dem Essen aufstehen und sagen: Ich gehe dann jetzt mal."

Muss man an Weihnachtsfeiern teilnehmen?
Keine Lust, keine Zeit? Keine Ausreden! "Eine Weihnachtsfeier ist ein Muss! Wer sich weigert, wirkt nur desinteressiert und unhöflich."

Darf man auf der Feier dem Chef das "Du" anbieten?
Nach ein paar Gläsern Wein ist so ein "Du" schnell mal gesagt. Angebracht ist es keinesfalls: "Im geschäftlichen Bereich bietet grundsätzlich der Ranghöhere das ,Du an, privat in der Regel der Ältere." Bietet der Chef auf der Feier das "Du" an, immer den nächsten Tag abwarten, ob er es beibehält.

Welcher Dresscode gilt?
Einmal im Jahr darf man zeigen, was man hat, denkt manche Frau und erscheint auf der Weihnachtsfeier im Mini und tief dekolletiert. Ein Fehler! "Es gilt der normale Business-Dresscode. Man kann Blazer oder Sakko ablegen - wenn der Chef es auch tut. Je weniger Haut, desto mehr Autorität."

Ach, wie schön! So finden Sie das richtige Geschenk

Der Gedanke machts Überlegen Sie vor dem Schenken genau, was der andere mag und zu schätzen weiß. Ihr eigener Geschmack ist zweitrangig!
Das Persönliche zählt Hobbys, Vorlieben und Interessen sind gute Richtlinien, um etwas Passendes zu finden.
Frühzeitig Ausschau halten Wenn Sie sich nicht kurzfristig für ein Geschenk entscheiden müssen, können Sie schon wäh rend der gemeinsamen Einkaufstouren die Augen offen halten.
Auf versteckte Tipps achten! Es muss nicht teuer sein Wertsachen sind kein Muss. Hauptsache, Sie zeigen dem anderen, dass Sie das Präsent liebevoll ausgewählt haben.
Schön verpacken Ein Kaufhaus-Einheitskarton macht weniger Freude als selbst Verpacktes - sogar, wenns nicht perfekt aussieht.

Melanie Schirmann
FUNK UHR Ausgabe

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